ABSCHIEDSBRIEFE ( 1933 -1945)

 

Der letzte Brief

BRIEFE BERÜHMTER MENSCHEN

 

Der letzte Brief: der königliche aller Briefe.
 Sein Aroma ist köstlich. Was sonst in armseliger
 Verteilung aus Briefen blüht:
Genialität des  Denkens,
Glaubens Liebens
– im letzten Brief
wird er zu einer  Synthese.
Sein  Pathos ist unerhört  - aber sein Ethos
wächst darüber hinaus. Beide – Pathos und Ethos –
werden aufgenommen in die hohe Stimme
einer nie zu  entwirrenden Mystik.  Es ist das Schicksal
der letzten Takte der neunten Symphonie,
die eingehen in die Seligkeit eines metaphysischen Soprans. ....

 
Ilse  Linden
  Der letzte Brief Eine Sammlung letzter Briefe
Herausgegeben von Ilse Linden /Erschienen bei Oesterheld & Co Verlag
Berlin 1919
 
 

 



 

FRITZ SOLMITZ   

 

1893 - 1933

 

 

«Wir aber wollen ein Vaterland schaffen, das jedem von uns Heimat und wirkliches Heim ist. Wir wollen ein Deutschland, das wir lieben können, frei und ohne Scham, nicht   nur  als Heimat, nicht nur als Volk, sondern auch als das, was beides vereint, als Staat, als Reich. Lieben aber können wir nur einen Staat, der seine Grösse nicht auf Blut und Eisen, auf Reichtum und schimmernde Wehr stützt. Lieben können wir nur einen Staat, der auf Arbeit und Gerechtigkeit gegründet ist, einen Staat, den wir als frei schaffende Männer und Frauen gestalten können nach dem Bilde, das wir in uns tragen.»

Am 19. Februar 1933, drei Wochen nach Hitlers Machtübernahme, erlebte Lübeck einen Massenaufmarsch der Arbeiterschaft und der Republikaner, wie man ihn seit 1918 nicht gesehen hatte. Auf der sich anschliessenden Kundgebung sprach Fritz Solmitz. Er fragte: «Seid ihr ein zusammengelaufener Haufen, der auseinanderströmt, wenn der erste Schuss fällt? Das Gegenteil ist wahr, davon bin ich überzeugt. Alle Drohungen und Terrorakte schliessen uns immer fester und einiger zusammen.»

*****
 

«Ich fühle allzusehr, wie roh und ärmlich das ist, was ich hier geben konnte. Aber ich habe immer geglaubt, dass es in diesen verworrenen Tagen das Beste ist, sein Leben als Dienst Gottes zu gestalten und sonst zu schweigen.
Denn ich bin nicht berufen, das zu verkünden, was sich in vielen Geistern vorbereitet. Ich spreche heute nur zu Euch und spreche leise: Gott schenke Euch die wahre Frommheit, die die Herzen fröhlich macht .

 

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Literatir; Das Gewissen steht auf./1954  MOSAIK VERLAG • BERLIN -FRANKFURT/MAIN